Das Lied von Kulager

ein poetisch-musikalisch-plastisches Stück nach dem gleichnamigen Epos von Ilijas Shansugirow für drei Schauspieler und eine Sängerin

(deutsche Nachdichtung von Gert Heidenreich)

"Das Land begrüßt mein Lied, wie es rennt,
wie es springt, wie es jagt und
erzählt, vor und zurück. Das Jetzt
und das Damals wird Stimme."
- Ilijas Schansugirow

Die Kunst des Wortes und die Kunst des Pferderennens gehörten zu den tragenden Säulen im kulturellen Leben der Nomaden. Über Generationen wurden die Werke der Volkspoesie von fahrenden Sängern und Erzählern mündlich weitergegeben. Über Generationen hinweg erinnerte diese orale Tradition an wichtige Ereignisse, an die besten Pferden der Steppe und ihre Besitzer.
Einer dieser Volkspoeten ist Akan Seri (19. Jahrhundert), begnadeter Dichter und Besitzer des edlen und pfeilschnellen Pferdes Kulager. Akans scharfe und wahrheitstreue Zunge macht ihm Feinde, sein schönes Pferd Kulager bringt ihm erwünschte Siege und Ruhm, aber auch viele Neider. Als Akan sein berühmtes Pferd bei dem nächsten gewaltigen Pferderennen in der Steppe antreten lässt, wissen Zuschauer, dass Kulager gewinnen wird. Doch Akan und sein Kulager haben mächtige Gegner, ein feiger Übeltäter ist unterwegs…
Der kasachische Schriftsteller Ilijas Shansugirow wuchs mit den Liedern und der Musik seiner Heimat auf. Die Epen und Melodien, die er gehört hat – und dazu gehörten die Lieder von Akan Seri -, webte er in sein literarisches Schaffen ein.
Vor seiner unrechtmäßigen Verhaftung im Jahre 1937 (und wahrscheinlichen Erschießung im selben Jahr) schrieb und veröffentlichte Shansugirow im Jahre 1936 sein letztes dichterisches Werk „Das Lied von Kulager“ – gleichsam sein Vermächtnis. Die Zeitungsausgaben, in denen er seine Schriften veröffentlicht hatte, wurden vernichtet. Aber ein Dichterkollege versteckte den Text und bewahrte ihn mehr als zwanzig Jahre lang in seinem Kopfkissen auf. So überlebte eine Perle kasachischer Dichtung, und die Leser erhielten die Möglichkeit, sie wieder kennenzulernen.

Unterstützt von: Goethe-Institut Kasachstan

Dauer: ca. 80 Minuten, ohne Pause

Fotos: Klaudius Dziuk

 

Termine

Premiere: Dienstag, 21. November 2017, 20:00 Uhr

weitere Vorstellungen:

Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr

Spielort

Altes Pfandhaus Köln, Kartäuserwall 20, 50678 Köln

Presse

"…Auf der ersten Seite kündigt das Programmheft des Ensemble Integral „eine Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit basiert“ an. „Das Lied von Kulager“ des kasachischen Schriftstellers Ilijas Shansugirow (1894 -1937), 1936 auf Kasachisch, einer Turksprache, in der Sowjetunion erschienen, stützt sich auf eine mündliche Überlieferung des legendären kasachischen Volksdichters und Sängers Akan Seri (1843 – 1913). Dessen berühmtes Rennpferd und Muse, Kulager, ging 1876 an den Start eines großen Steppenrennens. Als sicher war, daß es sich den Sieg holen würde, ließ es ein reicher Kontrahent während des Wettkampfes erschlagen. Der deutsche Journalist und Schriftsteller Gerd Heidenreich hat sich dieses Stoffes angenommen und eine Vers-Nachdichtung in deutscher Sprache hergestellt.
Die Textpassagen, die dem deutschen Buch folgen, hat die Regisseurin treffend ausgesucht. Sie geben kraftvoll das bunte Treiben des im Epos heraufbeschworenen Nomadenfestes wieder. Es wird getanzt, gesungen, gelacht, gegessen und gestritten. Der Zuschauer wird von Beginn an emotional in die Handlung hineingezogen. Er ist mit dabei! Auch er nimmt am großen Fest teil und wird Zeuge eines Unrechts, nämlich am Mord des schnellsten Pferdes des Wettrennens in der Steppe, an Kulager, dem berühmten Braunen Akan Seris. Es ist wirklich erstaunlich, wie es der russischen, in Kasachstan geborenen Regisseurin Irina Miller, mit der nur andeutungsweisen knappen Bühnenausstattung, sparsamst eingesetzten Requisiten und insgesamt vier Schauspielern gelingt, das komplexe Geschehen des Epos, das der Menge huldigt, also einem großen Nomadenfest der Superlative, mit gewaltigen Menschen- und Tieransammlungen zwischen unzähligen Zelten, auf der Bühne glaubhaft darzustellen und dabei auch noch den Zuschauer von Anfang bis zum Ende in den künstlerischen Bann zu schlagen. Von Seiten der Schauspieler ist viel Temperament im Spiel. Ihre erstaunliche Verwandlungskunst, während des Stücks in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, verblüfft. Das ganze Theaterspiel ist überhaupt höchst kurzweilig, obwohl es ganz und gar auf billige Effekte verzichtet. Der Zuschauer hält den Atem an…" Jasmina Jäckel de Aldana,  Berlin, 2018

Fotos

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